Suzuki-Teammanager Brivio: „Ducati untergräbt das Reglement“

Suzuki-Teammanager Davide Brivio sieht im Protest gegen Ducatis umstrittenen Hinterrad-Flügel ein wichtiges Signal für die MotoGP und deren Weiterentwicklung

Vor zwei Jahren wurden Winglets in der MotoGP eigentlich verboten. Neben einem Sicherheits-Aspekt wurde bei dieser Entscheidung vor allem der Kostenfaktor ins Spiel gebracht. An kreativen Aero-Lösungen wurde jedoch weiter getüftelt, um das Verbot zu umgehen. Die Folge: Auch in der aktuellen MotoGP-Saison sehen wir an den Bikes wieder Flügel-Elemente.

Solange sich diese im erlaubten Rahmen des technischen Reglements bewegen und integraler Bestandteil der Verkleidung sind, dürfen die Teams damit arbeiten. Nun aber kam Ducati, in puncto Winglets schon immer Vorreiter, mit einer Entwicklung um die Ecke, die die Konkurrenz beim Saison-Auftakt in Katar auf die Barrikaden brachte. Das hatte bekanntlich einen Protest zur Folge.

Grund des Ärgers ist ein Aero-Teil an der Hinterradschwinge der Desmosedici GP19, das vier MotoGP-Teams als illegal einstufen. Unter ihnen Suzuki. „Im vergangenen Jahr haben alle Hersteller das Thema Aerodynamik diskutiert, und wir waren uns alle einig, dass es gewisse Regeln braucht“, erinnert sich Teammanager Davide Brivio im Gespräch mit ‚GPone.com‘.

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Hat der Ducati-Flügel einen Aero-Effekt?

Ziel sei es – wie schon beim angesprochenen Winglet-Verbot – gewesen, die Kosten für Forschung und Entwicklung zu kontrollieren. Das führte zu einer Verschärfung der Regeln: Anders als noch 2018 darf die Verkleidung durch abnehmbare Teile nicht mehr beliebig modifiziert werden. Was in Katar homologiert wurde, muss für den Rest der Saison gefahren werden. Nur ein Update ist erlaubt.

Aus Sicht von Brivio hat sich Ducati nicht an diese Regel gehalten. Auch, wenn Technik-Direktor Danny Aldridge den Hinterrad-Flügel bereits vor einigen Wochen durchgewunken und neue Richtlinien dafür herausgegeben hat. Denn Suzuki glaubt wie auch die anderen drei Teams nicht, dass das hinzugefügte Element nur der Kühlung des Hinterreifens dient.

Als solches wurde es Aldridge von Ducati jedoch vorgestellt und letztlich auch abgenommen. „Die Ingenieure der vier Hersteller, die Protest eingelegt haben, sind überzeugt, dass das Anbauteil einen aerodynamischen Effekt hat, indem es Downforce generiert. Deshalb widerspricht es den geltenden Regeln“, erklärt Brivio und ist sich darin mit Aprilia-CEO Massimo Rivola einig.

Grauzone in der MotoGP: Brivio verlangt Klarheit

Beide adressierten ihre Einwände noch vor dem Saison-Auftakt in Katar an Ducati. Garniert mit der Warnung, Protest einzulegen, falls der umstrittene Flügel im Rennen zum Einsatz kommt. Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti bestätigte, in dieser Sache kontaktiert worden zu sein. Trotzdem gingen Andrea Dovizioso, Danilo Petrucci und Jack Miller am Sonntag mit besagtem Element ins Rennen.

„Deshalb legten wir Beschwerde ein. Wir wollten die Sache ein für alle Mal geklärt haben“, sagt Brivio weiter. Er erwartet nun eine definitive Klarstellung der FIM und des Technischen Direktors. „Nach unserem Protest sind sie dazu gezwungen, die Regeln und Richtlinien zu evaluieren, zu bewerten und zu verdeutlichen.“ Denn momentan befände man sich in einer Grauzone.

Dafür spricht auch, dass Aprilia an einer ähnlichen Vorrichtung für den Hinterreifen arbeitete wie Ducati. Diese aber sei von Aldridge als nicht regelkonform eingestuft worden, wie Aprilias Teammanager Rivola verriet. Ihm und Brivio geht es vor allem ums Prinzip, und nicht um einen Kleinkrieg gegen Ducati: „Wir wollen wissen, was wir dürfen und was nicht.“

Fotocredit: ©LAT

 

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