Kampf um die Ehre: MotoGP-Satellitenfahrer mischen in Thailand mit

Johann Zarco, Cal Crutchlow und Danilo Petrucci kämpfen in Buriram um WM-Punkte und die Ehre der Satellitenfahrer – Probleme mit Hinterreifen bremsen den Briten

Die MotoGP-Premiere in Thailand bot nicht nur auf den vorderen Rängen eine spannende Show. Auch die Verfolgergruppe duellierte sich um jeden einzelnen WM-Punkt. Für Cal Crutchlow, Johann Zarco und Danilo Petrucci ging es dabei um mehr als nur eine gute Top-10-Platzierung. Gegen Saisonende spitzt sich die Satellitenfahrer-Wertung weiter zu.

„Ich habe mich zu Rennbeginn sehr gut gefühlt, besser als Maverick“, schildert Tech-3-Pilot Zarco. Der Franzose machte gemeinsam mit seinem Yamaha-Markenkollegen Vinales und Cal Crutchlow zunächst jagt auf die Top 3. „Mir ist allerdings beim Überholen ein Fehler passiert, dadurch habe ich ein paar Positionen verloren. Meine Pace konnte ich konstant halten, dennoch ist es mir nicht gelungen, mit [der Spitzengruppe] mitzufahren.“

Zarco musste gegen Rennmitte eine Position an Dani Pedrosa abgeben und auch Suzuki-Pilot Alex Rins mischte in der erweiterten Spitzengruppe mit. Als der Honda-Pilot in Runde 18 zu Sturz kam, konnte der Tech-3-Fahrer davon profitieren. Er holte sich auch die Position von Crutchlow zurück. „Pedrosa hat sich sehr stark gefühlt. Er ist dann aber in Kurve 5 gestürzt. Zum gleichen Zeitpunkt hat Cal einen Fehler gemacht, dadurch bin ich an ihm vorbeigegangen. Auch Rins konnte daraus einen Vorteil ziehen.“

Der Spanier setzte sich gegen Rennende etwas von Zarco ab und blieb auf Rang vier der erste Verfolger des Führungsquartetts. „Er konnte etwas wegfahren und wollte die Spitzengruppe einholen. Mir ist das nicht gelungen. In den letzten Runden hatte ich aber noch genügend Energie, um zu pushen.“ Der Franzose hatte auch die Satellitenwertung im Hinterkopf, in der er gegen Crutchlow und Petrucci kämpft.

In der letzten Runde ritt er eine Schlussattacke – mit Erfolg. „Ich war sehr nah an ihm dran. Vielleicht hat er den Druck gespürt. Er hat versucht, in Kurve 9 abzudecken und ist dabei von der Ideallinie abgekommen. Dadurch konnte ich ihn überholen und so noch die fünfte Position holen.“ Der Rookie des Jahres 2017 beendete das Rennen schließlich nur 2,7 Sekunden hinter Sieger Marc Marquez.

Zu Rennbeginn sah hingegen LCR-Honda-Pilot Crutchlow als der gefährlichste Außenseiter aus. Der Brite konnte ohne Probleme mit Marquez, Andrea Dovizioso und Valentino Rossi mithalten. „In den ersten 15 Runden habe ich mich [von der Spitzengruppe] aufgehalten gefühlt. Ich habe mich absichtlich etwas zurückfallen lassen, da der Druck im Vorderreifen hoch war. Ich bin hinter Valentino gefahren und habe eine halbe Sekunde Abstand gelassen. Ich ging mehrfach aus dem Windschatten [um den Reifen zu kühlen].“

Erst in Runde 18 begann seine Misere: „Ich wurde von Vinales und Pedrosa zunächst überholt, in der Runde darauf auch von Rins und Zarco. Dadurch habe ich in nur zwei Runden drei Sekunden verloren.“ Crutchlow konnte sich nicht mehr in der Spitzengruppe halten und musste auch die ersten Verfolger schließlich ziehen lassen. Sein großes Problem: der harte Hinterreifen.

„Ich hatte kein schlechtes Gefühl, bis der Hinterreifen ab Runde 15 komplett eingebrochen ist. Ich konnte nicht mehr mitkämpfen.“ Michelin brachte spezielle Reifen zum Debüt auf dem Buriram-International-Circuit. Wie Motorsportchef Piero Taramasso bereits am Samstag bemerkte, nützten sich die Pneus besonders stark in der Mitte der Lauffläche ab. „Die mittlere Lauffläche des Reifens war das Problem am Wochenende“, hat auch Crutchlow erkannt. „Im Gegensatz zu allen anderen habe ich das Bike aus den Kurven heraus sehr schnell wieder aufgestellt. Dadurch wollte ich Vortrieb gewinnen, aber habe nicht bemerkt, dass ich die mittlere Lauffläche zerstöre.“

Fazit: Er hätte mehr Schräglage fahren sollen. „Ich wäre ein paar Mal fast abgeflogen, daher wollte ich das Rennen nur noch beenden. Hätte ich weiter gepusht, wäre ich nicht ins Ziel gekommen.“ Enttäuscht muss er feststellen, dass ihm im Ziel ebenfalls nur knapp sieben Sekunden auf den Sieg gefehlt haben. Mit sieben Sekunden Rückstand sei man normalerweise Vierter, bemerkt er.

Auch Zarco hat beobachtet, wie die Reifen seiner unmittelbaren Kollegen spätestens rund sieben Runden vor Rennende einbrachen. Er selbst habe erst vier Runden vor Schluss Probleme bekommen. Pramac-Ducati-Pilot Danilo Petrucci ist besonders empfindlich am Hinterreifen. Der Italiener kämpft bereits die gesamte Saison mit starkem Reifenverschleiß. Daher hatte er in Thailand besonders zu kämpfen.

„Es war ein schwieriges Rennen. Zu Rennmitte war ich einmal sehr nahe an der Spitzengruppe dran, aber die Jungs vorne waren relativ entspannt – im Gegensatz zu mir. Ich musste das ganze Rennen über pushen, um mithalten zu können“, gibt er zu Protokoll. Der dritte Anwärter auf die Satellitenfahrer-Krone hielt sich im Gegenteil zu Zarco und Crutchlow mehr im hinteren Teil der Verfolgergruppe auf. Er fuhr fast das gesamte Rennen auf Rang zehn. Erst im vorletzten Umlauf gelang ihm das Manöver gegen Teamkollegen Jack Miller.

„Ich habe mehr oder weniger immer das gleiche Problem. Denn wenn man in der ersten Runde auf Platz zehn oder elf liegt, kann man am Ende nicht mehr um eine gute Position kämpfen. Dennoch ist es mir gelungen, in den letzten fünf Runden ein paar Plätze aufzuholen. Mit einem besseren Start hätte ich vielleicht um die Plätze rund um Rang fünf kämpfen können“, spekuliert er. Sein Ziel sei es gewesen, nahe an Zarco und Crutchlow dran zu sein.

„Ich hatte im Rennen einmal die Gelegenheit, nahe hinter Cal zu fahren. Allerdings hat mich Iannone sehr hart überholt, wodurch ich von der Linie abkam. So ist auch Bautista noch vorbeigeschlüpft. Ich hatte dann einfach nicht die Pace, um Cal und Johann zu folgen“, muss er gestehen. „Petrux“ beendet das Rennen auf Rang neun. „Leider habe ich ein paar Punkte verloren, denn mein Ziel ist es, bester Satellitenfahrer zu werden.“

Aktuell liegt Crutchlow mit 128 Punkten noch voran. Petrucci hält bei 126 und Zarco bei 123 Zählern. „Ich hoffe, dass uns dieses Rennen neue Energie und Motivation für die verbleibenden Rennen gibt“, so der Tech-3-Pilot. „Das wäre sehr wichtig, um den Titel des besten Satellitenpiloten zu holen.“ Dieses Ziel teilt er allerdings mit seinen schärfsten Konkurrenten.

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