„Marquez-Style“ in der Zielkurve: Wie Dovizioso das Katar-Duell gewann

2018 reloaded: So erlebten Andrea Dovizioso und Marc Marquez die Wiederauflage ihres Katar-Duells in der letzten Kurve beim diesjährigen MotoGP-Saisonauftakt

Nur 23 Tausendstelsekunden trennten Katar-Sieger Andrea Dovizioso (Ducati) und seinen Verfolger Marc Marquez (Honda) beim Zieleinlauf auf dem Losail International Circuit. Der MotoGP-Saisonauftakt 2019 kam in den letzten Kurven fast einem Abziehbild des Vorjahres gleich . Auch damals entschied sich das Duell Dovizioso vs. Marquez in der letzten Kurve zugunsten Ducatis.

„Es war eine Wiederholung des letzten Jahres, wobei ich damals gefühlt bessere Chancen hatte als dieses Mal. Trotzdem musste ich es versuchen“, erklärt der Weltmeister. Er klebte über weite Teile des Rennens an Doviziosos Hinterrad und konnte nach einem Fehler des Ducati-Rivalen in der vorletzten Runde die Spitze übernehmen, allerdings nur kurz.

Dovizioso erinnert sich: „Mir passierte ein Fehler und Marc konnte vorbeigehen, aber das gab mir die Möglichkeit, seine Situation zu verstehen. Er hatte schlechteren Grip als ich, war aber am Bremspunkt besser. Ich war jedoch etwas schneller und entschied, ihn sofort wieder zu überholen. Zwar konnte er mich auch noch einmal überholen, aber ich hatte die bessere Beschleunigung.“

Wie schon im Vorjahr startete Marquez in der Zielkurve eine letzte Attacke und versuchte, sich an Dovizioso vorbei zu bremsen. Doch obwohl auch er keine optimale Ausfahrt erwischte, kam „Desmo Dovi“ besser aus der Kurve als die Honda und sicherte sich damit hauchdünn den Sieg. „Am Ende war es knapp, hat aber nicht gereicht“, hielt Marquez fest.

Mittlerweile hat er ja schon einige Zielkurven-Duelle gegen Dovizioso hinter sich. Doch diesmal war ihm schnell klar, dass sich das wohl nicht ausgehen würde. Denn Marquez hatte schon das ganze Wochenende über Probleme mit dem Vorderreifen: „Für meinen Fahrstil war selbst die harte Mischung zu weich. Im Prinzip bin ich das komplette Rennen auf dem Hinterreifen gefahren.“

Das macht sich natürlich irgendwann bemerkbar, sodass der Weltmeister letztlich mit stumpfen Waffen kämpfte und ein paar Mal nur knapp einem Sturz entging. „Am Ende hatte Dovi den besseren Speed, dennoch versuchte ich zu pushen. Zwar habe ich in der letzten Kurve den Kürzeren gezogen, aber die 20 Punkte sind wichtig“, sagt Marquez mit Blick auf die Mission Titelverteidigung.

„Ich war nah dran und konnte vieles verstehen mit Blick auf Ducati. Wir haben ein gutes Paket und es werden noch bessere Strecken für uns kommen.“ Denn Katar zählt nicht zu den Lieblingskursen von Marquez und Honda. Dass er trotz der Reifenproblematik so gut mithalten konnte, war vor allem der langsamen Rennpace geschuldet, die Dovizioso an der Spitze vorgab.

„Es war ein seltsames Rennen mit einer langsamen Pace. Aber für mich war das gut, denn so konnte ich meine Probleme mit den Reifen besser managen“, erklärt Marquez und scherzt: „Noch vor dem Rennen habe ich gebetet, dass es langsam wird, und Dovi hat mich erhört.“ Der bremste das Feld bewusst ein, um selbst seine Reifen zu schonen und im richtigen Moment zu attackieren.

Die Angriffe von Suzuki-Pilot Alex Rins, der Dovizioso in der ersten Rennhälfte einige Male unter Druck setzte, wehrte er ab. „Es war einfach zu früh, um zu pushen“, weiß der Italiener. „Ich glaube, es kommt nicht darauf an, das schnellste Rennen zu fahren. Zumal dir das am Ende eines Rennens teuer zu stehen kommen kann. Die beste Strategie ist es, im richtigen Moment bereit zu sein.“

„Genau das habe ich gemacht, indem ich die Reifen geschont und Rins eingebremst habe“, erklärt er weiter. Schließlich wollte sich Dovizioso noch genug Körner für ein finales Duell mit Marquez aufheben, denn damit hatte er aus Erfahrung schon gerechnet. Auch dass der Honda-Pilot es auf einen letzten Versuch in der Zielkurve ankommen lassen würde, war Dovi klar.

Das sei eben der „Marquez-Style“, weiß der Italiener. „Andere Fahrer wären in seiner Situation hinter mir geblieben und Zweiter geworden. Er ist der Einzige, der das kann. Manchmal funktioniert es und manchmal nicht.“ Auch er selbst hätte es an Marquez? Stelle nicht riskiert, gesteht Dovizioso ganz offen. Schließlich war der mit seinem Hinterreifen schon am Limit.

„Wenn du hinter einem anderen Fahrer bist und ein hohes Risiko eingehen musst, um ihn zu überholen, so hart bremsen musst, dass die Räder blockieren, und du Gefahr läufst, aus der Kurve zu fliegen, ist das sehr schwierig. Du spürst die Angst. Ich könnte das nicht im Gegensatz zu Marc. Er geht viel Risiko ein, ist aber meistens in der Lage, es zu managen“, urteilt der Ducati-Pilot.

Dass er sich dennoch einmal mehr gegen den Weltmeister durchsetzen konnte, freut Dovizioso gleich doppelt. „Ich bin sehr glücklich, denn vor dem Wochenende hatte ich kein gutes Gefühl. Uns fehlten die Pace und das richtige Set-up. Aber wir sind ruhig geblieben und haben in die richtige Richtung gearbeitet.“ Beim Kurvenspeed sieht er jedoch noch immer einigen Nachholbedarf.

Dies sei weiterhin die größte Schwachstelle der Desmosedici. Und auch was ihre Stärken angeht, Beschleunigung und Topspeed, hätten die anderen Teams aufgeholt. „Es sieht so aus, als wäre das Feld noch etwas mehr zusammengerückt. Das heißt, an einem schlechten Wochenende kann man richtig viele Punkte verlieren“, blickt Dovizioso auf die noch junge MotoGP-Saison.

Eine Prognose wagt er noch nicht: „Dafür ist es zu früh, zumal Katar eine sehr besondere Strecke ist. Ich denke, wir müssen bis mindestens Le Mans warten, denn es kommen noch zwei spezielle Strecken.“ In Argentinien und Austin schätzt Dovizioso vor allem die Chancen von Honda hoch ein. Hier gewannen im Vorjahr Cal Crutchlow (LCR-Honda) und Marquez.

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