MotoGP-Fahrer uneinig: Kam die rote Flagge in Valencia zu spät oder nicht?

Nach Ansicht einiger Piloten hätte das Saisonfinale der MotoGP in Valencia aufgrund des Regens früher unterbrochen werden sollen, doch das sehen nicht alle so

Das 19. und letzte Rennen der MotoGP-Saison 2018 war am Sonntag in Valencia ein Drama in zwei Akten. Aufgrund von starkem Regen wurde das Rennen nach 14 von 27 geplanten Runden mit der roten Flagge unterbrochen, nachdem zuvor zahlreiche Fahrer auf der überfluteten Piste der Circuit Ricardo Tormo abgeflogen waren.

Nach Ansicht vieler Fahrer hat die Rennleitung mit dieser Entscheidung allerdings zu lange gewartet. „Das war ein Witz, sie hätten das Rennen schon viel früher abbrechen müssen“, sagt Pramac-Pilot Jack Miller. So sieht es auch sein Ducati-Markenkollege Jorge Lorenzo. „Sie hätten das Rennen drei, vier Runden früher abbrechen sollen, denn es wurde sehr schnell immer mehr Wasser, und die Fahrer sind wie die Fliegen gefallen“, sagt der Spanier.

Auch Johann Zarco und Maverick Vinales, der kurz vor dem Abbruch von seiner Yamaha geschleudert worden war, hätten sich etwas eher rote Flaggen gewünscht. „Wäre sie eine Runde früher gezeigt worden, wäre ich noch auf dem Bike gesessen. Aber das soll keine Ausrede sein. Ich bin einfach abgeflogen“, sagt Vinales.

Tech-3-Rookie Hafizh Syahrin hingegen findet: „Das war schon die richtige Entscheidung von der Rennleitung. Wir hatten nur zwei Runden Schwierigkeiten auf der Geraden, danach haben sie schon abgebrochen. Das war gut.“ Auch Marc Marquez, den es in Runde 9 vom Motorrad warf, meint: „Selbst zu dem Zeitpunkt, als ich stürzte, konnte man fahren. Es war gefährlich, weil es an einigen Stellen Aquaplaning gab, aber es war gut genug, um zu fahren.“

Ein Fahrer haderte gar mit der roten Flagge, wenn auch aus sehr persönlichen Motiven: Valentino Rossi. „Die Rote Flagge war sehr schade, denn in diesem Moment war ich sehr schnell unterwegs. Ich hatte den richtigen Vorderreifen drauf, daher hätte ich Dovi und Rins schlagen können“, sieht sich der „Doktor“, der allerdings im zweiten Teil des Rennens stürzte, um einen möglichen Sieg gebracht. „Aber es stimmt schon, dass sehr viel Wasser auf der Strecke stand. Es war etwas gefährlich – aber auch im zweiten Rennen. Aber meiner Meinung nach haben sie gut entschieden, obwohl das für mich nachteilig war.“

Für Miller, der die Bedingungen ähnlich wie Vinales nicht als Entschuldigung für seinen Sturz in Runde 3 geltend machen will, waren die Verhältnisse hingegen völlig unfahrbar. „Wenn man beispielsweise sieht, dass Maverick fast bei Geradeausfahrt stürzt, wenn man in der Box sitzt und hört wie die Motorräder auf der Geraden ‚weeow weeeow weeoew‘ machen, dann ist das nicht normal“, ahmt der Australier das Geräusch der bei 300 km/h durchdrehenden Hinterreifen nach.

„Wir haben am Freitag lange mit der Sicherheitskommission gesprochen, nachdem wir zwei rote Flaggen hatten. Wir haben gesagt: ‚Wenn es schlecht wird, holt die rote Flagge raus'“, so Miller. Doch trotz schlechterer Bedingungen als am Freitag habe die Rennleitung zunächst nichts unternommen. „Für mich sah es so aus, als wollten sie unbedingt dreiviertel der Renndistanz erreichen.“ Erst wenn diese gefahren wurden, können nach einem Rennabbruch volle WM-Punkte vergeben werden.

Gezeigt wurde die rote Flagge erst nach Runde 14, nachdem der zu diesem Zeitpunkt führende Andrea Dovizioso per Handzeichen signalisiert hatte, dass die Bedingungen nicht mehr fahrbar sind. Dieses Verhalten war im Vorfeld so abgesprochen worden. „Wir haben mit der Sicherheitskommission gesprochen, und sie haben uns gebeten, eine Rückmeldung hinsichtlich der Strecken-Bedingungen zu geben“, sagt Dovizioso. „Denn am TV-Bild erkennt man nicht so gut wie wir, ob es jenseits des Limits ist oder noch okay. Ich habe also Feedback gegeben, und sie haben sofort eine Entscheidung getroffen.“

Und doch war dieses Vorgehen für Aprilia-Pilot Aleix Espargaro nicht optimal: „Die rote Flagge soll nicht erst kommen, wenn zwei Fahrer stürzen, die rote Flagge soll diese Stürze verhindern. Und das hat heute nicht funktioniert.“

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