MotoGP-Rookie Bagnaia begeistert beim Sepang-Test mit Platz zwei

Francesco Bagnaia beeindruckt am Ende des Sepang-Tests mit der zweitschnellsten Zeit – Valentino Rossi macht sich Sorgen, dass ihn seine Fahrer schlagen

„Großartig, sehr beeindruckend“, lobt Valentino Rossi seinen VR46-Junior Francesco Bagnaia nach Abschluss des MotoGP-Tests in Malaysia. „Seine fliegende Runde war fantastisch! Ich muss ihm gratulieren.“ Der amtierende Moto2-Weltmeister brannte am letzten Tag 1:58,302 Minuten in den heißen Asphalt des Sepang International Circuits. Damit belegte Bagnaia den zweiten Platz. Nur Danilo Petrucci war um weniger als eine Zehntelsekunde schneller.

Schon im November beeindruckte der Rookie, der eine Ducati GP18 im Pramac-Team fährt, bei den ersten Tests. Nun sorgte Bagnaia als Zweiter erneut für Schlagzeilen. „Ich habe nicht erwartet, dass ich 1:58 fahren kann. Ich bin sehr glücklich. Das bedeutet, dass wir gute Arbeit leisten“, sagt der 22-Jährige. Trotzdem bleibt er mit beiden Beinen auf dem Boden: „Ich bin eine gute Runde gefahren, aber ich möchte ruhig bleiben und es Schritt für Schritt machen. Mein Ziel ist es, der beste Rookie des Jahres zu werden.“

Ein weiterer positiver Aspekt war, dass Bagnaia in Malaysia nicht stürzte. In erster Linie arbeitete er daran, sich als Fahrer noch besser auf das MotoGP-Bike einzustellen und das Set-up auf seine Bedürfnisse anzupassen. „Ich habe das auch immer besser verstanden“, sagt Bagnaia, „denn man muss ganz anders fahren als in der Moto2. Man muss das Motorrad früher aufstellen und den Grip nutzen. Das wollte ich bei diesem Test besser verstehen, und das hat auch geklappt.“

Außerdem wurde das Vertrauen zum Vorderrad immer besser, wodurch Bagnaia attackieren konnte: „Ich habe mich auch auf der Bremse verbessert. Im vergangenen November hatte ich damit noch Schwierigkeiten, aber mit dem jetzigen Set-up habe ich viel Vertrauen zum Vorderreifen. Das ist sehr wichtig für mich.“ Und wie viel fehlt noch, um ein richtiger MotoGP-Fahrer zu sein? „Ich weiß nicht“, antwortet Bagnaia auf diese Frage, „momentan bin ich vielleicht bei 65 Prozent. Ich verstehe schon viele Dinge, aber das Rennen ist viel wichtiger.“

Sein Fokus beim nächsten Test in Katar liegt auf den Vorbereitungen für das Rennen: „Ich muss mich noch in vielen Bereichen verbessern und muss verstehen, wie ich mit gebrauchten Reifen konstanter fahre. Im Rennen sind die Aufgaben anders. Man muss verstehen, wie man die Mappings und die Reifen nutzt.“ Auf dem Weg zum Moto2-Weltmeistertitel zeigte Bagnaia seine Klasse und Übersicht im Rennen. Nun will er das auch in der Königsklasse umsetzen.

Aber schon jetzt hinterließ Bagnaia eine erste Duftmarke. „Wenn man sich vorstellt, dass er trotz seiner geringen Erfahrung beim Test immer schnell ist und dann 58,3 fährt“, betont Mentor Rossi, „dann ist das ziemlich beeindruckend. Ich denke, wir müssen auf ihn aufpassen.“ Da Bagnaia auf der ausgereiften Ducati von 2018 sitzt, hat er schlagkräftiges Material zur Verfügung. Zu Saisonbeginn kann er sich komplett auf sich konzentrieren und muss keine Teile entwickeln.

Setzt er die Performance wie beim Sepang-Test weiter fort, könnte Bagnaia auch vor Rossi landen. „Als wir mit Pecco und Franco das Akademie-Projekt gestartet haben, haben wir dieses Problem nicht erwartet“, lacht Rossi. „Wir hätten nicht erwartet, dass unsere Fahrer mit mir kämpfen werden. Auf der einen Seite mache ich mir große Sorgen, auf der anderen Seite sind wir sehr glücklich, weil die Akademie sehr gut funktioniert. Jetzt ist es eben so. Wir helfen Fahrern, die mich vielleicht schlagen. Wir können aber nicht zurück.“

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