Petruccis emotionaler Ducati-Wechsel: „Vor vier Jahren war ich ein Niemand“

Danilo Petrucci verabschiedet sich emotional von seiner Pramac-Mannschaft, die ihm vor vier Jahren das Vertrauen geschenkt hat – Viele Rituale mit den Mechanikern

Danilo Petrucci wechselt für die Saison 2019 zwar nicht den Hersteller, musste aber dennoch einen emotionalen Abschied in Valencia verkraften. Nach vier Jahren Zusammenarbeit verließ der Italiener den Pramac-Rennstall um Jorge Lorenzos Platz im Ducati-Werksteam einzunehmen. Nicht nur Teammanager Francesco Guidotti verdrückte die ein oder andere Träne, auch der 28-Jährige selbst erlebte eine Gefühlsachterbahn.

„Als mich Francesco Guidotti vor vier Jahren Ende September angerufen hat, habe ich mich bereits damit abgefunden, dass ich nie wieder an einem MotoGP-Rennen teilnehmen werde. Ich dachte, da wäre kein Platz für mich in der MotoGP“, beginnt Petrucci am Rande des Rennwochenendes über seine Anfänge bei Pramac zu philosophieren. Er war 2012 als italienischer Superstock-Champion in die MotoGP eingestiegen, als Quereinsteiger schlug er sich drei Jahre auf nicht konkurrenzfähigem Material am Ende des Feldes durch.

Ende 2014 habe er seine MotoGP-Karriere „schon abgehakt“. Doch dann klingelte sein Telefon und Pramac-Teammanager Guidotti war am Apparat. „Er fuhr drei Jahre lang auf einem CRT-Bike und die Ergebnisse waren sehr schlecht. Die Bikes waren sehr schwach, aber er hat drei Jahre lang ausgehalten. Andere Fahrer hätten schon nach drei Rennen aufgegeben“, schildert der Pramac-Verantwortliche seine Beweggründe gegenüber ‚MotoGP.com‘.

„Als wir mit ihm das Risiko eingegangen sind, waren wir uns über seinen Speed nicht sicher“, gesteht Guidotti. „Aber schon damals war seine Entschlossenheit sichtbar. Dann hat er auch seinen Speed gezeigt. Es war die richtige Entscheidung“, kann er im Nachhinein behaupten. Bereits im ersten gemeinsamen Jahr schenkte Petrucci dem Team in Silverstone einen ersten Podestplatz.

„Das erste Podium 2015, das hat niemand erwartet“, erinnert sich der charismatische Italiener. „Dann auch das Podium in Mugello im Vorjahr, oder der Kampf gegen Rossi in Assen. In diesem Rennen hätte ich vielleicht sogar gewinnen können. Aber es sollte nicht sein.“ Nach seinem dritten Platz in Mugello lieferte er sich mit seinem Kumpel Valentino Rossi bei der Dutch TT 2017 einen erbitterten Kampf, den der neunfache Weltmeister knapp für sich entschied. Außerdem durfte sich Petrucci in San Marino und Motegi über Podestplätze freuen.

2018 blieb er nach der großartigen Saison 2017 etwas hinter den Erwartungen zurück. Nur in Le Mans kletterte er als Zweiter auf das Treppchen. In der WM-Wertung wird er mit 144 Punkten wie schon im Vorjahr Gesamtachter. Die Satellitenwertung kann er nicht für sich entscheiden, da er im letzten Rennen stürzt. Der Gewinn der Satellitenwertung hätte seine Pramac-Ära gut „abgerundet“, meint Petrucci. Dennoch ist er stolz, noch nie konnte er so viele Punkte wie in diesem Jahr sammeln.

„Ich bin glücklich, dass das vierte Jahr das beste mit diesem Team ist. Natürlich konnte ich im Vorjahr mehr Podien einfahren, aber in diesem Jahr war das nicht möglich. Zweimal verlor ich das Podium noch auf der letzten Runde.“ Viele Erinnerungen hat er an Podestplätze ohnehin nicht. Denn: „Ich habe keine Fotos von meinen Podestplätzen zu Hause hängen, ich warte noch auf den ersten Sieg. Aber der kam bislang nicht.“

Abgesehen von einem Sieg war in den vergangenen vier Jahren aber alles dabei. „Das war ein großartiges Abenteuer und ich bin allen sehr dankbar. Sie haben mich als Fahrer, aber auch als Mensch, wachsen lassen.“ Auch Guidotti spricht von einer innigen Bindung zu seinem Fahrer, die weit über eine professionelle Beziehung hinausgeht. „Die Beziehung mit Danilo war von Beginn an sehr eng. Natürlich freuen wir uns für ihn, dass er ins Werksteam wechselt. Und natürlich wird es uns vermissen.“

„Ich bin sehr traurig“, entgegnet Petrucci darauf, „das Team verlassen zu müssen. Natürlich freue ich mich, dass ich an diesem Punkt in meiner Karriere angekommen bin. Andererseits werde ich jede einzelne Person vermissen. Ich hatte über die Jahre immer die gleiche Crew, ein paar Ingenieure werden mit mir mitkommen. Aber ich werde alle vermissen.“

Wie eng seine Bindung zu seiner Crew war, erläutert Petrucci anhand eines Beispiels. Vor dem Start jedes Rennens haben sich verschiedene Rituale eingebürgert. „Für jeden Mechaniker habe ich mir einen Move oder ein Wort überlegt. Einer küsst das Bike, ein anderer nimmt die Heizdecken immer auf die gleiche Art und Weise herunter. Ich muss einem Mechaniker immer auf den Kopf greifen. Wir haben viele verschiedene Rituale“, schmunzelt er.

Mit seiner neuen Crew in Rot wird er sich etwas Neues einfallen lassen müssen. Zumindest seinen Crewchief Daniele Romagnoli und seinen Elektronik-Ingenieur wird er zum Werksteam mitnehmen. Petruccis Fazit nach vier erfolgreichen Jahren im Ducati-Kundenteam: „Ich war 2014 ein Niemand und jetzt bin ich in einem Werksteam, daher muss ich mich bei Pramac bedanken. Besonders bei Francesco Guidotti, der als erster mein Talent erkannt hat.“

Fotocredit: ©GP-Fever.de