Pol Espargaro erobert erstes KTM-Podest: Rote Flagge als zweite Chance

Im 37. MotoGP-Rennen steht erstmals ein KTM-Fahrer auf dem Podest – Pol Espargaro kämpft mit Marquez, stürzt und nutzt den Abbruch als neue Chance

Der 18. November 2018 war ein Jubeltag für KTM. In allen drei Klassen wurden Erfolge gefeiert. Zunächst holte Rookies-Cup-Champion Can Öncü bei seinem ersten Start in der Moto3-WM den Sieg. Anschließend gewann Miguel Oliveira das Rennen der Moto2-Klasse. Und Pol Espargaro eroberte den ersten Podestplatz in der Königsklasse MotoGP. Es war der bisher erfolgreichste Tag für die österreichische Marke in der Motorrad-Weltmeisterschaft!

Erfolge in den kleinen Klassen hat KTM schon viele gefeiert, aber in der MotoGP gelang mit Platz drei der erste große Meilenstein. „Es ist surreal“, sagt Espargaro nach seinem Husarenritt im Regen von Valencia. Schon in den nassen Trainings war der Spanier in den Top 8 zu finden gewesen. Mit Startplatz sechs egalisierte er das beste KTM-Qualifying. Und als das Rennen dann gestartet wurde, kämpfte er lange mit Weltmeister Marc Marquez um den dritten Platz.

„Ich sah, dass Marc Probleme mit dem Hinterreifen hatte“, schildert Espargaro das Duell. Marquez fuhr als einziger mit dem härteren Medium-Regenreifen. Deswegen hatte die Honda weniger Grip. „Ich versuchte ihn innen und außen zu überholen, aber Marc konnte sehr spät bremsen und die Honda beschleunigte gut.“ Deswegen kam die orange KTM mit der Startnummer 44 nicht vorbei. In der siebten Runde schien der Traum vom Topergebnis geplatzt zu sein.

„In Kurve 2 war ich sehr schnell. Wenn man an einer Stelle schnell ist, sollte man es nicht zu hart probieren, sondern eher woanders. Aber ich habe es probiert und hatte einen unglaublichen Crash – einen wilden, heftigen Highsider“, schildert Espargaro die Szene. Trotzdem konnte er weiterfahren. Es fehlten zwar einige Teile der Verkleidung, aber er drehte am Ende des Feldes weiter seine Runden. Als dann der Regen stärker wurde und die Rennleitung das Rennen unterbrach, gab es plötzlich eine neue Chance.

Das witterte Espargaro sofort: „Die rote Flagge war wie eine Message. Ich sagte zu mir: ‚Das ist deine Chance, du musst sie nur nutzen‘.“ Während der Unterbrechung wurde eine neue Verkleidung angeschraubt und neue Regenreifen aufgezogen, um auf der sicheren Seite zu sein. Nach dem Neustart überholte Espargaro Dani Pedrosa und fuhr dann einige Sekunden hinter dem Spitzentrio Rins/Dovizioso/Rossi. Und als Rossi stürzte, war plötzlich eine KTM an der dritten Stelle.

„Ich bin super happy mit diesem Ergebnis für KTM“, strahlt Espargaro über das ganze Gesicht. „Man kann sich nicht vorstellen, wie viel in dieses Projekt investiert wird. Jeder verdient es sich, dass wir das Jahr mit diesem Ergebnis beenden. Wir versuchen so schnell wie die Motocross-Leute zu sein, die in allen Kategorien gewinnen. Mit den Straßenbikes hängen wir etwas hinterher, aber jetzt konnten wir zeigen, dass wir die gleiche Power haben.“

37 Rennen hat KTM gebraucht, um zum ersten Mal einen Fahrer bei der Siegerehrung zu haben. Auch für Espargaro war es der erste Podestplatz in der Königsklasse. Zum letzten Mal konnte er in seinem Moto2-Titeljahr 2013 Champagner verspritzen. Dass man mit KTM auch in der MotoGP Erfolge feiern kann, das war für Espargaro in so kurzer Zeit nicht vorstellbar. „Vielleicht für Herrn Pierer oder Pit, denn sie sind starke Jungs und wissen, was sie wollen“, sagt er über seine Chefs.

„Für mich war es aber schwierig, mir so ein Ergebnis eines Tages vorzustellen – egal ob im Trockenen oder im Nassen. Vor zwei Jahren begannen wir mit diesem Motorrad in Katar in der letzten Startreihe. Es fehlte eine Sekunde auf die Leute davor“, hält Espargaro fest, wie KTM in der Königsklasse begonnen hat. „Es war ein unglaublicher Prozess, eine unglaubliche Entwicklung. Ich bin auf alle stolz, nicht nur auf die Leute im Rennteam, sondern auf alle in Mattighofen, die an diesem Projekt beteiligt sind. Das ist für uns mehr als nur ein dritter Platz.“

Teamkollege Bradley Smith kam in seinem letzten Rennen für KTM als Achter ins Ziel. Noch nie zuvor konnte die Mannschaft 24 Punkt auf einen Schlag sammeln. Die Teamwertung beendete KTM auf dem neunten Platz. In der Konstrukteurswertung wurde man Fünfter.

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