ServusTV-Experte Alex Hofmann: „Lorenzo hat eine harte Zeit vor sich“

ServusTV-Experte Alex Hofmann spricht über das enttäuschende Honda-Debüt von Jorge Lorenzo in Katar, die heiß diskutierte Ducati-Affäre – und verrät seinen Top-Favoriten für Argentinien.

Ein packender Zweikampf zweier „alter Bekannter“, Hochspannung bis zur Zielflagge und nicht zuletzt ein viel beachteter Star, der deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb: Der MotoGP-Saisonauftakt 2019 in Katar wurde das erhoffte Spektakel und hielt, was sich Fans und Experten zuvor von dem traditionellen Nachtrennen versprochen hatten. ServusTV-Experte Alex Hofmann blickt im Interview noch einmal auf den ersten Saisonlauf im Wüsten-Staat zurück – und verrät, wen er beim nächsten Rennen in Argentinien ganz oben auf der Liste hat.

 

ServusMotoGP.com: Alex, Der Saison-Start 2019 liegt hinter uns – ein Auftakt, der auf jeden Fall Lust auf mehr macht, oder?
Alex Hofmann: Ja, definitiv – wir haben in allen drei Klassen ein Fotofinish bis zur Ziellinie gesehen. Viel mehr hätten wir uns denke ich alle nicht wünschen können. Und das Gute ist: Ich glaube, das war erst der Anfang von all dem, was und dieses Jahr noch erwartet. Ich kann Dir also nur zustimmen: Das macht sehr viel Lust auf mehr! (lacht)

Teams, Fahrer und auch Fans tappen ja vor jeder Saison immer etwas im Dunkeln. Was sind aus Deiner Sicht die drei, vier wichtigsten Erkenntnisse von Katar?
Also in den kleinen Klassen hat man schon mal eine grobe Richtung: Ich denke, wir können jetzt schon sagen, wer im weiteren Verlauf der Saison zum Favoritenkreis zählen wird. Denn hier spielt vor allem auch der psychologische Aspekt mit rein: Ein guter Start gibt häufig auch eine gute Saison vor – das ist extrem wichtig. Und in der MotoGP haben wir einmal mehr gesehen, dass am Ende des Tages die großen Namen da sind, wenn’s zählt. Dass sich im Vergleich zum Vorjahr zwar nicht allzu viel verändert hat, dass es aber genauso spannend geblieben ist. Fazit: Auch dieses Jahr gilt es wieder, die üblichen Verdächtigen zu schlagen, wenn man in der MotoGP ganz nach vorne will.

Video: Dovizioso vs. Marquez – unglaubliches Déjà-vu in Doha!

 

Hat Ducati in Katar getrickst?

Am Ende war es ja Ducati-Pilot Andrea Dovizioso, der in Katar ganz oben stand. Nur ist der Sieg der Roten nach einem Protest gegen ein womöglich nicht regelkonformes Aerodynamik-Teil immer noch nicht fix. Hat Ducati getrickst?
(Denkt nach) Also ich würde sagen, sie haben das Reglement einfach etwas intensiver studiert als der Rest der Welt. Ducati würde meines Erachtens nie etwas Illegales an sein Motorrad bauen. Nur schaffen sie es eben immer wieder – und solche Vorreiter gibt es in jedem Sport – die Regeln so zu nutzen und zu interpretieren, dass man sich halt in einem Grenzbereich bewegt. Und genauso wird es jetzt mit diesem kleinen Carbon-Teil unter der Hinterradschwinge auch sein. Glaubt man Ducati, ist besagtes Teil ja in erster Linie dazu da, um den Reifen zu kühlen – und das ist ja nicht verboten. Wenn diese Vorrichtung dann noch einen netten Nebeneffekt hat, nämlich „Downforce“ und die Aerodynamik, stinkt das natürlich den anderen Teams. Aber genau dafür liebe ich Ducati und vor allem den Kopf dahinter, Luigi Dall’Igna: Er schafft es immer wieder, die Regeln bis ins kleinste Detail „auszupressen“. Ich bin jedenfalls gespannt, denn die Diskussion wird denke ich noch einige Zeit weitergehen.

Und wie wird sie ausgehen?
Also nachdem es ja vor der Saison eine Richtlinie gab, und Ducati bei Tests auch schon mit diesem Teil gefahren ist, glaube ich, dass sie jetzt erstmal damit weiterfahren werden. Und am Ende des Tages hängt es dann eben am Sportgericht, eine Entscheidung zu treffen. Nur eines ist bei dieser ganzen Geschichte glaube ich wichtig zu erwähnen: Den anderen Werken geht es weniger darum, Ducati eins auszuwischen, sondern vielmehr darum, mögliche Schlupflöcher im Reglement zu stopfen. Aber wie auch immer das Ganze ausgeht, sollten wir eines nicht vergessen: Letztes Jahr hat Dovizioso in Katar auch ohne dieses Teil gewonnen…

„Bei Lorenzo ist reichlich Luft nach oben“

Ein anderer, auf den in Katar alle Augen gerichtet waren, war Honda-Neuzugang Jorge Lorenzo. Rein vom Ergebnis her betrachtet war beim Spanier noch Luft nach oben, oder?
Ja, ich würde sogar sagen reichlich Luft nach oben. Aber auch der Tatsache geschuldet, dass er nicht fit zum Saison-Auftakt antreten konnte, und dann am Wochenende noch zwei ordentliche Stürze draufgelegt hat. Darunter hat dann natürlich obendrein sein Selbstvertrauen gelitten. Alles in allem befürchte ich, dass Lorenzo jetzt erstmal eine harte Zeit vor sich haben wird. Denn sowohl Argentinien als auch Texas (die beiden nächsten Saison-Rennen, Anm. d. Red.) sind Strecken, die ihm nicht hundertprozentig liegen und entgegenkommen. Lorenzos Ziel muss es deshalb sein, spätestens ab dem Europa-Auftakt in Jerez Anfang Mai wieder fit zu sein. Diese Strecke liebt er – aber die nächsten beiden Rennen werden wie gesagt hart für ihn.

Das erste dieser beiden Rennen ist, wie Du schon erwähnt hast, Argentinien. Was ist die Charakteristik der Strecke, worauf wird es dort ankommen?
Typisch für Argentinien ist, dass die Rennstrecke traditionell schmutzig ist – was dazu führt, dass der Kurs relativ wenig Grip hat. Letztes Jahr kam dann auch noch schlechtes Wetter dazu. Alles in allem ist Termas aber eine typische „Marc-Marquez-Strecke“: Wenn der Weltmeister fit ist und sich wohl fühlt, kann er sich dort nur selbst schlagen. Das hat er ja auch die letzten Jahre gezeigt. Ich bin mir also relativ sicher: Marc wird dort „All In“ gehen!

Interview: Oliver Kluth

 

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