Suzuki-Rookie Joan Mir glücklich: MotoGP-Bike kommt Fahrstil entgegen

Suzuki-Neuling Joan Mir hat am ersten Testtag in Valencia am meisten Runden abgespult – Bremsverhalten und Power am Kurvenausgang beeindrucken ihn

Mit 59 Runden war Suzuki-Rookie Joan Mir am ersten Testtag in Valencia mit Abstand der fleißigste Pilot. Der Spanier konnte sich am teilweise verregneten Dienstag mit einer Rundenzeit von 1:32.787 Minuten mit 1,371 Sekunden Rückstand auf die Vinales-Bestzeit auf dem 15. Rang einsortieren. Es war seine insgesamt zweite Begegnung mit der GSX-RR, nachdem er bereits einen Shakedown vor einer Woche in Motegi absolviert hatte. Sein erstes Fazit fiel positiv aus: „Neues Bike, neues Team – ich bin sehr glücklich mit dem Tag.“

Der Moto3-Weltmeister des Jahres 2017 musste sich nach nur einer Saison auf der Marc-VDS-Kalex auf das schwerere und deutlich kräftigere Suzuki-Bike umstellen. „Das ist ein großer Unterschied. Das MotoGP-Bike ist ein Rennbike, das Moto2-Bike war mehr ein Straßenbike“, erklärt Mir nach seinem ersten offiziellen Testtag. Er glaubt, dass sein Fahrstil besser zur MotoGP-Maschine passt.

„Das Moto2 ist etwas eigenartig zu fahren, im Vergleich zu Moto3 oder MotoGP. Jetzt kann ich zeigen, wie stark ich auf der Bremse bin“, freut sich der 21-Jährige. Er zählt sich zu einem der besten Bremser im Feld. „Auf dem Moto2-Bike, wenn ich da härter gebremst habe, was eigentlich eine meiner Stärken ist, bin ich von der Ideallinie abgekommen und konnte das Gas nicht sofort wieder öffnen. Das hat mir Schwierigkeiten bereitet. Auf diesem Bike ist es besser.“

Den größten Unterschied hat er abgesehen vom Bremsverhalten am Kurvenausgang feststellen können. „Wenn man von der Moto3 in die Moto2 kommt, muss man den Kurvenausgang besser vorbereiten. Auf dem MotoGP-Bike musst du aufgrund der Power noch besser sein am Kurvenausgang. Das muss ich lernen“, gibt er zu. „Am Kurveneingang muss ich das Limit finden.“

Einen ersten Anfang machte er mit insgesamt sieben Runs am Dienstag. Da es am Vormittag noch feucht und kühl war, wartete er mit seiner ersten Ausfahrt bis Mittag ab. Dazu riet ihm auch sein neuer Crewchief Francesco Carchedi, der von Karel Abrahams Mannschaft zu Suzuki wechselte. „Ehrlich gesagt war unser ursprünglicher Plan, um halb zehn rauszufahren, aber da hatten wir keine Chance. Wenn die Bedingungen okay sind, fahren wir raus. Wir haben keine Eile in diesem Test und müssen nicht gleich ein Risiko eingehen“, erklärte der Italiener gegenüber ‚MotoGP.com‘. Schließlich startete Mir erst um kurz vor 13 Uhr mit seinem Programm.

Er konnte sich von anfänglich noch langsamen 1:35er-Zeiten bis auf hohe 1:32er-Zeiten an die Spitzenfahrer heranarbeiten. Nach fast 60 Runden war er am Nachmittag – der Regen machte ein Fahren bis 17 Uhr nicht möglich – ein wenig erschöpft. „Ich bin jetzt ganz entspannt. Nach fast 60 Runden, die ich gefahren bin, etwas müde“, schildert er. Allerdings wäre er auch auf einem Moto2-Bike nach dieser Rundenanzahl müde, insgesamt fuhr er rund 236 Kilometer. Im Vergleich dazu: Am Sonntag fuhren die MotoGP-Stars im Rennen 27 Runden (rund 108 Kilometer).

Mir konnte ein paar Runden hinter dem Testschnellsten, Yamaha-Piloten Maverick Vinales, verbringen. Was hat er vom Spanier gelernt? „Ich bin zwei Runden hinter ihm gefahren. Er ist aus der Boxengasse gefahren und ich kam hinter ihm an. Ich habe gesehen, dass er nicht so schnell unterwegs ist, aber ich war hinter ihm, um ihn zu beobachten. Ich konnte mir ein paar Dinge abschauen.“ Mehr verrät der Rookie allerdings nicht.

Während er vor dem Test am meisten über die Elektronik, mit der er zuvor noch nie in Berührung kam, nachgedacht hatte, war er besonders von der Power am Kurvenausgang angetan, wie auch vom Bremsverhalten. Allerdings antwortet er zurückhaltend auf die Frage, ob ein MotoGP-Bike einfacher zu fahren sei als eine Moto2-Maschine. „Ich weiß nicht, ob es einfacher ist. Es ist auf keinen Fall schwieriger. Und es macht natürlich mehr Spaß.“

Sichtlich Spaß an der Arbeit mit Mir hatte auch Suzuki-Teammanager Davide Brivio. „Wir haben verschiedene Programme für die beiden Fahrer. Während Alex die 2019er Teile evaluiert und das Paket für das erste Rennen zusammenstellt, geht es bei Joan nur darum, so viel wie möglich zu fahren. Er soll es genießen.“ Der MotoGP-Neuling wurde noch nicht in die Entwicklungsarbeit eingebunden, um ihn nicht zu überfordern. Er solle sich zunächst einmal mit der GSX-RR vertraut machen. „Wir hatten mit ihm schon vorige Woche einen Shakedown in Motegi. Er ist schon ein paar Runden auf dem Bike gefahren. Das war mit dem Basis-Set-up von Alex und Sylvain [Guintoli], damit beginnen wir.“

Nach einer etwas enttäuschenden Moto2-Saison (Gesamtsechster) hofft Mir an seine Moto3-Erfolge bald anschließen zu können. „Ich möchte konkurrenzfähig sein. Ich möchte das Rennen in Katar beenden und nicht so weit zurückliegen, vielleicht 20 Sekunden“, hat er sich bereits ein erstes Ziel gesteckt. Mit 20 Sekunden Rückstand hätte er sich 2018 beim Auftaktrennen auf Platz 14 eingereiht und damit bereits erste Punkte gesammelt. „Von da an möchte ich den Abstand verkleinern. Das ist mein Hauptziel. Am Ende der Saison möchte ich mithalten können, das würde mich glücklich machen.“

Allerdings versichert Mir, der über einen Zweijahresvertrag verfügt, dass er keinen Druck spüre. „Aber natürlich bin ich ein Rennfahrer, der an der Spitze um Siege und Podien kämpfen möchte. Ich möchte dort so schnell wie möglich sein. Aber mir ist bewusst, dass das noch weit weg ist.“ Zunächst testet er auch am Mittwoch weiter mit seiner neuen Mannschaft in Valencia.

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